Natürliche Familienplanung (NFP)

NFP, auch sensiPLAN® oder die symptothermale Methode genannt, ist recht wenig bekannt und wird leider häufig mit der Temperaturmethode, der Kalendermethode oder auch Persona und anderen Verhütungscomputern verwechselt. All diese Methoden haben jedoch einen sehr viel höheren Pearl Index als NFP.

Erstmals wurde die Methode im Jahr 1965 von dem österreichischen Arzt Josef Rötzer veröffentlicht. Er kombinierte die schon seit langer Zeit bekannten Temperatur- und Bilings-Schleim-Methoden und erreichte damit einen Pearl Index, der fast an die Sicherheit der Pille heranreichte. Mittlerweile gibt es mehrere verschiedene Versionen der symptothermalen Methode, deren Regeln sich vom Prinzip alle ähneln. Schließlich ist das Ziel bei allen Varianten gleich: den Eisprung möglichst genau bestimmen, weil es danach zu keiner Befruchtung mehr kommen kann.

Im Klartext: nach ausgewertetem Eisprung kann frau nicht mehr schwanger werden!

Die Variante sensiPLAN®, auf die wir uns hier konzentrieren, wurde von diversen Wissenschaftlern an renommierten europäischen Universitäten entwickelt. Dazu gehören

Dr. Anna Flynn/Birmingham, Prof. Gerd Döring/München, Prof. Günter Freundl/Düsseldorf, Dr. Siegfried Baur/München, Dr. Notker Klann/Bonn, Prof. Xaver Fiederle/Freiburg, Dr. Petra Frank-Herrmann/Heidelberg, Dr. Elisabeth Raith-Paula/München und Dr. Ursula Sottong/Köln Quelle

 

Studien der Universitäten Düsseldorf und Heidelberg haben für sensiPLAN® eine Sicherheit von 0,4 ermittelt. Damit kommt die Sicherheit der hormoneller Verhütungsmethoden gleich!

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass in der Zeit vor dem Eisprung kein Geschlechtsverkehr stattfindet. Wenn man jedoch auch in der fruchtbaren Zeit Geschlechtsverkehr haben möchte, muss man auf Barrieremethoden ausweichen wie Kondome, Diaphragma oder eine Kombination aus beidem. Damit reduziert sich der Pearl Index der Methode allerdings auf den der verwendeten Barrieremethode!

Das praktische ist, dass man diese nur einen gewissen Zeitraum über benutzen muss, denn in der unfruchtbaren Zeit kann man “ganz ohne” Sex haben. :wink:

 

Was bringt NFP eigentlich?

Als Frau kann man nicht immer schwanger werden, sondern nur am Tag des Eisprungs. Das Ei ist genau 12 Stunden befruchtungsfähig und “wartet” quasi auf die Spermien. Jedoch können diese bis zu 7 Tagen in der Gebärmutter überleben, daher kann auch Verkehr vor dem Eisprung gefährlich werden.

Durch NFP kann man den fruchtbaren Zeitraum eingrenzen und in der unfruchtbaren Zeit ungeschützt Sex haben.

 

Was braucht man, um NFP zu machen? Ist das teuer?

Man braucht einen StiftZyklusblätter (die gibt es hier oder man kann auch eine Online-Kurve führen.
Und man braucht ein Thermometer. Es muss 2 Nachkommastellen haben, kann digital sein oder auch das gute alte Quecksilberthermometer. Spezielle “Frauenthermometer” sind nicht geeignet, sondern nur unnötig teuer!

uebe signal waterproofDas Domotherm Signal Waterproof von Uebe ist der Sieger bei den Abstimmungen im NFP-Forum und ich nutze es auch, empfehle es daher. Es erfüllt die Vorgaben der AG NFP, hat also 2 Stellen nach dem Komma. Es kostet zwischen 3 und 4 Euro.

Leider wird es mittlerweile nicht mehr hergestellt, und das empfohlene Nachfolgemodell TH1 hat nur eine Nachkommastelle, weswegen es für NFP nicht geeignet ist.

Weiterhin empfehlenswert ist das Domotherm Rapid Digitalthermometer. Es hat ebenfalls zwei Nachkommastellen und eine flexible Spitze, was viele Frauen als sehr angenehm empfinden.

 

geratherm_basal_neu

NFP-Berater empfehlen allerdings auch sehr häufig analoge Thermometer wie z.B. das Geratherm Basal.

 

 

Ist NFP aufwändig?

Ich sag einfach mal: nö :mrgreen: Man muss täglich nach dem Aufwachen (aber vor dem Aufstehen) seine Basaltemperatur messen. Die AG NFP empfielt 3-5 Minuten Messzeit, man kann aber auch nur bis zum Pieps messen (unter einer Minute), wenn man so gute Ergebnisse bekommt (ist natürlich ein Stück weit eigenes Risiko, da es nicht 100% regelkonform ist). Manche Frauen können so gut auswerten, andere gar nicht – das muss man selbst ausprobieren. Vor dem Messen sollte man mindestens eine Stunde geschlafen haben (falls man nachts öfter aufs Klo geht). Das Messergebnis wird in die Tabelle eingetragen und immer auf 0,05 gerundet.

Der Schleim

Mehrmals am Tag überprüft man seinen Zervixschleim. Das kann man auf dem Klopapier nach dem Toilettengang, direkt am Muttermund oder am Scheideneingang prüfen, die Hauptsache ist, dass man bei einer Art des Prüfens bleibt. Man muss auch darauf achten, wie sich der Scheideneingang allgemein anfühlt (eher trocken oder eher glitschig?)

In der hochfruchtbaren Zeit hat der Schleim die beste Qualität. Diese ist jedoch individuell. Ist der Schleim spinnbar, klar, wie Eiweiß, in großen Mengen, glasig rötlich oder cremig, deutet das auf die hochfruchtbare Zeit hin. Hat man kaum/keinen Schleim, ist alles trocken oder nur leicht feucht, befindet man sich normalerweise nicht in der fruchtbaren Zeit. Man unterscheidet beim Schleim fühlen und sehen. Auch die Farbe gelb/weiß/klar verändert sich im Laufe des Zyklus. Dies ist jedoch alles individuell. Jeden Tag trägt man seine Beobachtungen in das Zyklusblatt ein. Man muss für sich selbst einen Schleimhöhepunkt festellen, ein Tag, an dem der Schleim von der Qualität besser ist, als die nächsten 3 Tage. Man geht dabei immer vom besten Schleim des Tages aus. In einem Zyklus kann es mehrere Schleimhöhepunkte geben, wichtig ist dann nur der, der maximal 5 Tage vor oder max. 3 Tage nach der 1. höheren Messung ist!

Der Muttermund

Falls man wenig Schleim hat oder mit der Auswertung Probleme hat, kann man auch statt des Schleims den Muttermund abtasten. Man unterscheidet hierbei zwischen hart und tiefstehend (unfruchtbar) und weich und hochstehend (fruchtbar). Die Auswertungsregeln gelten hier genauso wie für den Schleim. Gerade Anfänger haben jedoch oft Probleme, den Muttermund richtig einzuschätzen.

Die Temperatur

Wie man misst, ist bereits oben erklärt. Bei der Temperatur gibt es auch einige Regeln zu beachten. Ist eine Messung höher als die 6 Messungen in den Tagen davor, ist sie die erste höhere Messung. Man zieht nun eine horizontale Linie durch den Punkt der höchsten der 6 Messungen davor. Sind die beiden Messungen nach der ersten höheren Messung ebenfalls über dieser Linie (Coverline) und ist die 3. höhere Messung mindestens 2/10 Grad über der Coverline, dann ist die Temperatur fertig ausgewertet.

Ausnahmeregeln:

  1. Wenn der 3. Temperaturwert weniger als 2/10 Grad über der Coverline liegt, muss ein 4. Wert abgewartet werden. Dieser muss über den 6 vorherigen Messungen liegen, aber nicht 2/10 Grad höher sein.
  2. Fällt eine der 3 höheren Messungen auf oder unter die Coverline, wird dieser Wert nicht berücksichtigt.

Die beiden Ausnahmeregeln dürfen nicht kombiniert werden!

Zum Messen: Wie gesagt, ist eine Stunde Schlaf erforderlich. Man darf nicht innerhalb des Zyklus das Thermometer und auch nicht den Messort wechseln. Man kann im After, im Mund oder in der Scheide messen, nie unter den Achseln!

Die Temperatur ist störanfällig, die individuellen Störfaktoren muss man selbst herausfinden. Diese können z.B. sein: unterschiedliche Messzeiten, anderes Klima, Urlaub, Stress, Alkohol, gestörter, kurzer Schlaf, Krankheit, Medikamente.

Zusätzliche Symptome

Weiterhin gibt es ein noch einige Symptome, die auf einen Eisprung hinweisen können. Da wären einmal das Brustsymptom (schmerzende, ziehende oder aufgeblähte Brüste) und der sogenannte Mittelschmerz. Viele Frauen unterliegen dem Irrglauben, dass sie ihren Eisprung spüren können. Tatsächlich spüren sie aber nur den Mittelschmerz, der jedoch nicht genau an dem Tag des Eisprungs auftritt, sondern von bis zu 9 Tagen davor bis 2 Tage danach (nachzulesen in NFP Heute)

Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit nach dem Eisprung

Die unfruchtbare Zeit beginnt entweder am 3. Tag (abends!) nach dem ausgewerteten Schleimhöhepunkt oder am abend des 3. Tages der erhöhten Temperatur, je nachdem, was zuletzt kommt. Man ist dann so lange unfruchtbar, bis die Regel in gewohnter Stärke einsetzt.

Die Bestimmung der unfruchtbaren Zeit am Zyklusanfang

Eine unfruchtbare Zeit am Zyklusanfang darf man nur annehmen, wenn man im Zyklus davon einen Eisprung mit darauffolgender Hochlage hatte. Die ersten 5 Tage im neuen Zyklus können als unfruchtbar angenommen werden, solange kein fruchtbarer Schleim auftritt.

Die Minus-8-Regel:

Wenn man mindestens 12 Zyklen NFP gemacht hat, kann man von der frühesten ersten höheren Messung in all den Zyklen 8 Tage abziehen und bis zu diesem Tag ungeschützten GV haben, es sei denn, vorher tritt fruchtbarer Schleim auf.

NFP nach der Pille

Wenn man direkt nach dem Absetzen der Pille mit NFP beginnt, gelten die ersten 5 Tage des Zyklus als unfruchtbar, sprich ab dem Einsetzen der Blutung. Man muss beachten, dass man keine 3 höheren Messungen braucht, sondern 4 – aber nur im ersten Zyklus nach der Pille. Und die Minus-8-Regel darf man erst nach 15 Zyklen anwenden, nicht nach 12.

Diese Infos stammen aus Natürlich und Sicher, Trias Verlag. Dieses Buch ist das Regelwerk für jeden, der mit NFP verhüten möchte, und man sollte es sich auf jeden Fall kaufen, denn mit den hier vorhandenen Angaben könnt ihr NFP “trocken üben”, aber nicht zuverlässig verhüten, denn dies ist nur eine sehr grobe Zusammenfassung!

Wer noch unentschlossen ist, sich aber dennoch etwas vertiefter einlesen mag, kann sich hier einen Schnellkurs ausdrucken.

 

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