Notfallverhütung

Bei der Notfallverhütung handelt es sich NICHT um eine Verhütungsmethode. Sie ist weniger sicher als normale Verhütungsmittel und eine große Belastung. Sie darf nur angewendet werden, wenn andere Methoden versagen, beispielsweise nach einer Kondompanne. Es gibt zwei Möglichkeiten: die Pille Danach und die Spirale Danach.

1) Pille Danach

Die Pille Danach (kurz PD) ist ein hochdosiertes Hormonpräparat. Derzeit gibt es zwei Sorten auf dem Markt.

Ziel der Pille Danach ist es, den Eisprung um einige Tage nach hinten zu verschieben.

Zur Erinnerung: Nur Geschlechtsverkehr bis zu 5 Tage vor dem Eisprung und am Tag des Eisprungs kann zu einer Schwangerschaft führen. Der Eisprung wird durch das Hormon LH (luteinisierende Hormon) ausgelöst, das vom Hypophysenvorderlappen im Gehirn gebildet wird.

Die verwendeten Wirkstoffe können grundsätzlich auch eine Einnistung der befruchteten Eizelle bzw. eine Frühabtreibung bewirken. Bei der bestimmungsgemäßen Anwendung der Pille danach ist das aber nicht der eigentliche Wirkmechanismus. Wer starke ethische Bedenken bezüglich Frühabtreibung / Nidationshemmung hat, sollte sich weitergehend informieren.

Jede Stunde zählt!

Weil die Pille danach spätestens 1-3 Tage vor dem Eisprung genommen werden muss und die wenigsten Frauen ihren Eisprung auch nur auf 1-2 Tage genau eingrenzen können zählt bei der Pille Danach jede Stunde.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten:

Wie bei der normalen Pille, kann auch die Pille Danach durch einige Medikamente abgeschwächt werden oder bei bestimmten Vorerkrankungen (z.B. Lebererkrankungen, Morbus Crohn, erhöhtes Thromboserisiko …) / Medikamenten nicht eingenommen werden.

Wo bekomme ich die Pille-Danach?

In Deutschland ist die PD verschreibungspflichtig, das Rezept bekommt man beim Frauenarzt/ärztin, oder einer Notfallarzt/ärztin bzw. im Krankenhaus.

In anderen Ländern, zum Beispiel in der Schweiz oder Österreich bekommt man die PD in jeder Apotheke, Notfallapotheke, Nachtapotheke. Die offizielle Order diesbezüglich fordert, dass ein Formular ausgefüllt wird, in der Regel findet jedoch ein kurzes Gespräch mit dem/der Apothker/in statt. Es geht dabei in erster Line darum zu verhindern, dass die PD als Verhütungsmittel missbraucht wird.

Kosten: 17-30EUR (wird in Deutschland bis 20 Jahre von der Krankenkasse übernommen)

a) Levonorgestrel (1,5mg, Handelsnamen: PiDaNa, Duofem, NorLevo Uno, Vikela)

Seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt wird ein Präparat mit dem Inhaltsstoff Levonorgestrel, ein Gestagen der sogenannten zweiten Generation, das seit Jahrzehnten in der normalen Pille (kombinierte Mikropille und Minipille) verwendet wird.

Levonorgestrel verhindert den Eisprung nur dann, wenn die Ausschüttung von LH noch nicht begonnen hat (PMID20634186). Das Medikament muss spätestens 36 Stunden vor dem Eisprung genommen werden. Da die meisten Frauen nicht wissen, wann ihr Eisprung ist, ist die generelle Empfehlung die Pille Danach spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zu nehmen, je früher desto besser.

Zusätzlich verändert Levonorgestrel, wie bei der normalen Pille, Zervixschleim und Scheidenmilieu, so dass die Spermien schneller absterben und verringert die Beweglichkeit der Eileiter.

Zur Nidationshemmenden und Abtreibenden Wirkung: Bei der normalen Pille und der Minipille wird Levonorgestrel bereits in der ersten Zyklusphase, in der der Körper normalerweise nur Östrogen aber kein Gestagen bildet, zugeführt und verändert dadurch den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut so, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht Einnisten kann. Bei der Pille Danach wird das Gestagen jedoch in einer anderen Zyklusphase zugeführt, so dass diese Wirkung unwahrscheinlich ist. Bei einer bestehenden Schwangerschaft wirkt Levonorgestrel nicht abtreibend (PMID14668003). Wenn bereits eine Schwangerschaft von mehreren Wochen besteht, kann Levonorgestrel zu Vermännlichungsmerkmalen führen.

Schwangerschaftsrate ohne Pille Danach: 5,5%

Schwangerschaftsrate bei Einnahme der Pille Danach: je nach Studie 0,7% bis 2%

Nebenwirkungen:

Laut Beipackzettel treten bei mehr als 10% der Frauen Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Schmerzen im Unterbauch, Spannungsgefühl in der Brust, verspätete Menstruation, stärkere Menstruation. Blutungen und Müdigkeit auf. Bei 1-10% der Frauen auch Durchfall und Erbrechen. Bei Erbrechen unmittelbar nach der Einnahme (2h) muss in jedem Fall eine neue PD eingenommen werden. Um Übelkeit vorzubeugen, sollte die PD nicht auf leeren Magen eingenommen werden.

Pille danach selbst basteln

Da die Pille Danach im Grunde nichts anderes als eine sehr hoch dosierte normale Pille ist, kann sie aus vielen normalen Verhütungspillen selbst zusammen gestellt werden. Dazu werden teilweise meist acht bis zehn, zum Teil bis zu 50 normale Tabletten eingenommen. Die genaue Dosierung unterscheidet sich je nach Präparat. Welche Pillenpräparate in Frage kommen und wie sie dosiert werden, ist auf notfall-verhuetung.info aufgelistet.

Das Selberbasteln hat den Vorteil, dass man nicht erst ein Arzt aufgesucht werden muss, der ein Rezept ausstellt. Auch hier gilt, dass die Tabletten so früh wie möglich eingenommen werden müssen um den Eisprung zu verhindern.

Jedoch handelt es sich im Gegensatz zur eigentlichen Pille Danach meist um Kombinationspräparate, das heißt es wird nicht nur ein Gestagen sondern gleichzeitig ein Östrogen eingenommen, was mehr Nebenwirkungen hat. Bei der Pille Danach ist man von dieser Methode (z.B. Tetragynon) wieder abgekommen und verwendet nur noch Monopräparate, weil diese sehr viel verträglicher sind.

b) Ulipristal-Acetat (30mg, Handelsname: ellaOne)

Ulipristal-Acetat ist ein selektiver Progesteron-Rezeptor-Modulator (SPRM) der speziell für die Notfallverhütung entwickelt wurde. Er verhindert den Eisprung auch dann, wenn die LH-Ausschüttung bereits begonnen hat, aber nicht mehr wenn der Eisprung nur noch 24-48 Stunden entfernt ist. Ulipristalacetat wirkt etwas länger als Levonorgestrel, die Empfehlung ist es maximal 120 Stunden (5 Tage) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zu nehmen, je früher desto besser. In den ersten 72 Stunden ist Ulipristal-Acetat nicht schlechter als Levonorgestrel. (PMID20116841)

In der Abtreibungspille RU-486 werden 600mg Mifepriston und kurz darauf ein Prostaglandin verwendetet. Ulipristal-Acetat ähnelt dem Wirkstoff Mifepriston, jedoch enthält ellaOne nur 30mg Ulipristal-Acetat und eignet sich daher vermutlich nicht zum Schwangerschaftsabbruch. Im Gegensatz zu Levonorgestrel ist Ulipristal-Acetat im Tierversuch embryotoxisch und darf bei einer bestehenden Schwangerschaft nicht angewendet werden.

Die ellaOne schwächt möglicherweise die Wirkung der normalen Pille ab, da sie die Progesteronrezeptoren moduliert! Die Packungsbeilage empfiehlt bis zur nächsten Menstruationsblutung mit einem Kondom zu verhüten, wobei verschiedene Interpertationsmöglichkeiten bestehen. ProFamilia empfiehlt die nächsten sieben Tage ein Kondom zu verwenden. Wir empfehlen die nächste Pillenpause auszulassen, da die Verhütungssicherheit der Pille dadurch immer erhöht wird (siehe Langzeitzyklus)

Schwangerschaftsrate ohne Pille Danach: 5,5%

Schwangerschaftrate bei Einnahme der ellaOne: 2,1% (1241 Frauen, 29 Schwangerschaften)

Nebenwirkungen:

Laut Beipackzettel treten bei mehr als 10% der Frauen Bauchschmerzen, Menstruationsunregelmäßigkeiten auf. Bei 1-10% der Frauen haben Muskelkrämpfe, Rückenschmerzen, Schwindelgefühle. Weitere Nebenwirkungen siehe Packungsbeilage.

Bei Erbrechen unmittelbar nach der Einnahme (2h) muss in jedem Fall eine neue PD eingenommen werden. Um Übelkeit vorzubeugen, sollte die PD nicht auf leeren Magen eingenommen werden.

2) Spirale Danach

Wirkungsweise der Kupferspirale ist eine Schädigung der Spermien um eine Befruchtung der Eizelle zu verhindern und eine Verzögerung des Eitransports und eine Schädigung des Gebärmutterschleimaufbaus, so dass die Einnistung der befruchteten Eizelle unmöglich wird. Die Kupferspirale wirkt auch noch, wenn sie bis zu fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingesetzt wird. Es handelt sich um die normale Kupferspirale bzw. die rahmenlose Kupferkette Gynefix, so dass der Verhütungsschutz für die nächsten 3-5 Jahre sicher gestellt ist. Ist das nicht gewünscht kann man die Spirale nach der nächsten Menstruationsblutung wieder entfernen lassen.

Problematisch ist, dass die Spirale Danach bei der Notfallverhütung nicht wie sonst üblich während der Periode eingesetzt wird, entsprechend kann das Einsetzen schmerzhaft sein. Außerdem kann es schwierig sein einen Arzt zu finden, der die gewünschte Spirale kurzfristig einsetzen kann.

Kosten: Ähnlich zur normalen Spirale ca. 200€ (wird in D bis 20 von der KK übernommen)

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