Der weibliche Zyklus

Da wir uns ja hier auf einer Seite befinden, die über die verschiedensten Verhütungsmöglichkeiten und ihre Funktion aufklären soll, muss erstmal vorangestellt werden, was es überhaupt braucht, damit Verhütung notwendig wird: der Zyklus, gleichbedeutend mit der Fruchtbarkeit und der Möglichkeit, schwanger zu werden.

Wie funktioniert dieser nun genau?

Eine Grafik zur besseren Veranschaulichung der Abläufe findest Du hier

Dabei handelt es sich jedoch nur um das Idealbild eines Zyklus. Gut erkennbar sind die drei Phasen, die in jedem Zyklus vorkommen – die Eireifung, darauf folgend der Eisprung, und die unfruchtbare Phase nach erfolgtem Eisprung, die mit dem Einsetzen der Menstruation endet. Der Kreislauf beginnt daraufhin von Neuem.

Die Angaben zur Länge der einzelnen Phasen entsprechen dem Ideal des vierwöchigen Zyklus! Die wenigsten Frauen haben wirklich exakt 28-Tages-Zyklen. Wundere Dich daher nicht, wenn Deine Blutung früher oder später einsetzt als nach genau 28 Tagen, oder wenn Dein Eisprung länger auf sich warten lässt.

Das einzig Regelmäßige am weiblichen Zyklus ist seine Unregelmäßigkeit!

Schließlich sind wir Frauen keine Maschinen, und der Prozess, der zum Eisprung führt, ist hochkompliziert. Wir haben die wichtigsten biologischen Zusammenhänge mal zusammengetragen.

 

Als erstes: Welche Organe sind wesentlich beteiligt?

1. Hypothalamus (oberste Schalt- und Regulationszentrale im Gehirn)

2. Hypophyse (d.h. Hirnanhangsdrüse, „ausführendes Organ“ der Befehle des Hypothalamus)

3. Eierstöcke (schütten als Folge der Hormonstimulation durch die Hypophysenhormone selbst die „eigentlichen“ Geschlechtshormone aus)

(4. Nebennierenrinde: die „Testosteronfabrik“ der Frau)

Zu Beginn eines Menstruationszyklus kommt es zur Ausschüttung von GnRH (d.h. Gonadotropin Releasing Hormone, zu deutsch: Gonanden (d.h. Geschlechtsorgane) stimulierendes Hormon) im Hypothalamus. Als Folge dieser Ausschüttung werden dann in der Hypophyse die beiden Hormone FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) in die Blutbahn abgegeben. Im Eierstock wird daraufhin eine Gruppe von Primärfollikeln rekrutiert (schon bei der Geburt sind alle Eizellen als Primoridalfollikel angelegt, allerdings gehen 99% davon im Laufe des Lebens „ungenutzt“ zu Grunde), die sich weiter zu Sekundär- und Tertiärfollikeln entwickeln. Dann beginnt quasi ein „Kampf“, welcher der Follikel der „beste“ ist. Der Follikel mit den meisten FSH-Rezeptoren entwickelt sich am schnellsten, sodass im Normalfall nur er zum sogenannten Graaf-Follikel wird. (Dieser ist sehr groß und tritt am Eierstock als Ausbeulung in Erscheinung, die der umherwandernde Eileiter erkennt und dort dann ansetzt).

Um den Tertiärfollikel bildet sich eine spezielle Zellschicht aus, die „Theka interna“, die unter LH-Einfluss Androstendion (ein männliches Geschlechtshormon) bildet. Dieses Androstendion wird in spezielle Zellen des Follikels aufgenommen und dort durch FSH-Einfluss in Östrogene umgewandelt. Aufgrund dieses Zusammenhangs erfolgt zeitverzögert nach dem LH-Peak ein starker Konzentrationsanstieg des Östrogens.

Wenn LH/FSH/Östrogen in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen (nähere Details sind noch nicht völlig geklärt), kommt es zum Eisprung. Damit nicht ständig weitere Eizellen heranreifen (Mehrfachbefruchtungen) kommt es durch den hohen Östrogenspiegel und das Hormon „follikuläres Inhibin“, das der dominante Follikel produziert, zu einem Rückgang der GnRH-Produktion im Hypthalamus, was zum Rückgang des FSH in der Hypophyse und somit zu einer verminderten Follikelreifung führt.

Dieses Prinzip wird von hormonellen Verhütungsmitteln ausgenutzt: durch die Zufuhr von Östrogenen und Gestagenen wird die GnRH-Produktion im Hypothalamus gedrosselt (mit oben beschriebenen Folgen).

Nachdem die Eizelle „gesprungen“ ist, kommt es zur Einblutung in den übrig geblieben Follikel („Corpus rubrum“). Das Blut gerinnt anschließend und wandelt sich in Bindegewebe um. Die äußere Zellschicht (Granulosazellen) wachsen unter LH-Einfluss (hoher Spiegel durch LH-Peak) schnell heran und lagern Fette und Lutein (gelbes Protein, daher der Name „Gelbkörper“ bzw. Corpus luteum) ein. Der Gelbkörper produziert Östrogene, LH und vor allem Progesteron, das die Körpertemperatur erhöht, die Gebärmutterschleimhaut (zusammen mit dem Östrogen) auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet und Kontraktionen der Gebärmutter verhindert, sodass die Schleimhaut nicht abgestoßen wird. Ohne befruchtete Eizelle geht der Corpus luteum menstruationis nach ca. 14 Tagen (Angaben schwanken hier je nach Lehrbuch erheblich *g*) ein. Dadurch kommt es zum Abfall von Östrogen und v.a. Progesteron und zum Rückgang der LH-Produktion. Durch diesen Hormonabfall wird die Menstruationsblutung ausgelöst, der oberste Teil der Schleimhaut wird abgestoßen.

Dadurch dass nun die Hormonproduktion stark abgesunken ist, kommt es im Hypothalamus zum Anstieg der GnRH-Produktion, ein neuer Zyklus beginnt (d.h. rein funktionell betrachtet gehört die Blutung noch zum alten Zyklus, aber da deren Ende ja schwierig abzugrenzen ist, betrachtet man den ersten Blutung als 1. Tag des neuen Zyklus).

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